Friedensforum Lahr

27. September 2017
Pressemitteilung des Friedensforums

Resolution gegen Munitionsfabrik mit über 1000 Unterzeichnern
Friedensforum erinnert an Rainer Haungs

Rainer Haungs - Grafik: Klaus Schramm unter Verwendung eines Wahlplakats - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0
Mittlerweile kann das Friedensforum über 1000 Unterzeichner aus Lahr und den umliegenden Gemeinden vermelden. Die Zahl der Unterstützer der Resolution gegen die Ansiedlung einer Munitionsfabrik nimmt rapide zu. Klaus Schramm, Sprecher des Friedensforums, hat bei Gesprächen auf der Straße - zuletzt bei dem Info-Stand am 20. September - den Eindruck gewonnen, daß die Diskussion über Pro und Kontra Munitionsfabrik auch immer weiter bis in konservative Kreise der Bevölkerung vordringt.

Eine große Rolle spiele hierbei die Erinnerung an den Imhausen-Skandal 1989, bei dem Lahr international eine beschämende Berühmtheit erlangte. Die Lahrer Firma Imhausen hatte auf verdecktem Wege eine Chemiewaffenfabrik nach Libyen geliefert. Am 1. Januar 1989 brachte die New York Times dies als Hauptnachricht auf Seite Eins.

Viele Mitbürger der älteren Generation plagt das Gewissen, denn sie wußten schon 1988 oder 1987 Bescheid, daß da krumme Geschäfte mit dem Diktator Gaddafi im Gange waren - sie hatten aber nicht den Mut, öffentlich den Mund aufzumachen. Schramm erinnert an den in Lahr geborenen und 1996 im Alter von 53 Jahren verstorbenen CDU-Bundestagsabgeordneten Rainer Haungs. Dieser hatte im Januar 1989, als die Bundesregierung unter Helmut Kohl noch alles ableugnete, öffentlich gesagt: "Schon 1987 ist mindestens ein Imhausen-Mitarbeiter für lange Zeit nach Nordafrika gereist. Nicht nach Marokko, nicht nach Ägypten, nur in ein Land mit sehr viel Wüste. Da brauche ich keinen Geheimdienst, um mir einen Reim zu machen."

Vor 30 Jahren hätte Haungs in Lahr vermutlich noch bei Vielen als "Nestbeschmutzer" gegolten, wenn er rechtzeitig eingegriffen und den Bau der Giftgasfabrik publik gemacht hätte, vermutet Schramm. Zugleich stellt er die Frage: "Wer ist es denn tatsächlich: Derjenige, der das Übel verursacht, oder derjenige, der auf das Übel hinweist und so wenigstens das Schlimmste verhindert?" Den Zusammenhang zwischen dem Imhausen-Skandal und der aktuellen Problematik sieht das Friedensforum darin, daß heute die Chance besteht, rechtzeitig einzugreifen. Denn wenn der Lahrer Gemeinderat bei der kommenden Sitzung am 23. Oktober mehrheitlich gegen die Ansiedlung einer Munitionsfabrik stimmt, sei das Thema vom Tisch. Andererseits müsse klar sein - so das Friedensforum in seiner Argumentation - , daß jede einzelne Patrone, die zusätzlich in Baden-Württemberg hergestellt werde, in den Export fließe. "Jeder muß sich doch fragen, wie er es mit seinem Gewissen vereinbaren will, wenn von hier der Tod in alle Welt exportiert wird und daher auch immer mehr Menschen aus den von Krieg und Terror überzogenen Ländern fliehen müssen."