Friedensforum Lahr

Dokumentation

Lahrer Zeitung
2. September 2014

Lahr
Menschenkette für den Frieden

Von Mark Alexander

Lahr. Mehr als 50 Menschen sind gestern dem Aufruf des Lahrer Friedensforums gefolgt. In der Innenstadt haben sie eine Menschenkette gebildet, um sich gegen kriegerische Handlungen und Waffenlieferungen zu positionieren.

"Terroristen können nicht mit Menschenketten gestoppt werden." Dieses Zitat von Volker Kauder, dem Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, konterte Klaus Schramm vom Lahrer Friedensforum gestern Abend in seiner Rede: "Wer Waffen liefert, gießt Benzin ins Feuer", so Schramms Antwort. Mehr als 50 Unterstützer hatten die Initiatoren gestern bei der Aktion in der Marktstraße auf ihrer Seite.

"Wir sollten unsere Lehren aus der Geschichte ziehen", so Initiator Klaus Schramm im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Aufruf des Friedensforums gehe auf den Antikriegstag zurück, der am gestrigen 1. September begangen wurde. Schramm erinnerte an den Einmarsch der Wehrmacht in Polen vor genau 75 Jahren. Hinzu komme die Diskussion um den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren.

"Ein aktueller Anlass sind die deutschen Waffenlieferungen in den Irak", so Schramm weiter. "Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Laut einer Umfrage des ZDF-Politbarometers sind aber 67 Prozent der Deutschen gegen Waffenlieferungen in den Irak." Er erinnert neben den Terrorgruppen im Irak auch an den Krieg in Syrien, den aufflammenden Nahost-Konflikt und die Situation in der Ukraine. "Da ist die Friedensbewegung gefragt. Wir wollen ein Zeichen setzen und auf die Straße gehen. Eine Menschenkette kann ein Anfang sein."

Mit Blick auf den Ost-West-Konflikt in der Ukraine kritisiert Schramm die Reaktionen vieler deutscher Medien. Er spricht von "äußerst einseitiger und manipulativer" Berichterstattung. "Das ist geradezu Kriegshetze." Positionen der russischen Regierung seien verfälscht wiedergegeben worden. Schramm kritisiert aber auch, dass sich die beiden Großmächte in einen internen Konflikt einmischen würden. "Wir stehen auf der Seite der Menschen in der Ukraine." Diese sollten sich gegen eine Vereinnahmung durch die Nato oder durch Russland wehren. Die Blockfreiheit sei in der Verfassung der Ukraine festgelegt.

Schramm ist es wichtig, dass die Friedensbewegung in der Öffentlichkeit wieder präsenter wird. In den 80er-Jahren seien in Deutschland Hunderttausende auf den Straßen gewesen. "Eine starke Friedensbewegung wäre nicht zu überhören", glaubt Schramm. "Sie könnte zu einem Generalstreik gegen den Waffenexport aufrufen."

Aktionen wie die Menschenkette sind in Lahr allerdings selten. Das Friedensforum sei zuletzt mit einer Begehung zum Thema Stolpersteine in Aktion getreten. Schramm erinnert auch an eine Aktion mit den evangelischen Gemeinden und eine Lesung mit Jürgen Grässlin zum Thema Waffenhandel im vergangenen Jahr.

Mittlerweile geht es beim Friedensforum aber alles andere als friedlich zu. Bei einem Treffen Anfang Juli wehrte sich Schramm gegen den Vorwurf eines früheren Mitglieds, ein Geheimdienstspitzel zu sein. "Diese Anschuldigungen sind haltlos", sagt er gegenüber unserer Zeitung. In dieser Sitzung habe es zwei Rücktritte gegeben. Somit besteht das Forum, das kein eingetragener Verein ist, derzeit noch aus gerade einmal sechs regelmäßigen Besuchern. "Ich hoffe aber, dass es weitergeht", so Schramm.

Der 58-Jährige, der Beiträge für die "Linkszeitung" (www.linkszeitung.de) verfasst, meint zu den aktuellen Konflikten: "Wir stellen uns nicht auf eine der bewaffneten Seiten in einem kriegerischen Konflikt – aber wir sind keineswegs unparteiisch." Die Leidtragenden seien auf beiden Seiten die Zivilisten. "Auf deren Seite steht die Friedensbewegung."